Zeitgenössischer Tanz für Kinder und Jugendliche

Leben ist Bewegung und Bewegung ist existentiell für unser Leben. Wir lernen durch Bewegung und durch die Empfindungen, die wir dabei haben.

 

Beim Tanzen werden alle Sinnesorgane angesprochen: Spüren von Berührung über die Haut, Propriozeption (Muskeltonus), Gleichgewichtssinn, Hören und selber machen von Musik und Rhythmus, Raumorientierung, Emotionen ausdrücken und die der anderen wahrnehmen…

 

Alle diese Empfindungen werden im Gehirn zu Erfahrungen verknüpft und bilden damit das Fundament der Wahrnehmungsentwicklung. Bewegung ist Futter für das Hirn.

 

Die Ziele des Tanzunterrichtes sind: eine Erziehung zum Tanz, Erziehung durch den Tanz und eine Hinführung zu einer schöpferischen und künstlerischen Form des Tanzes.

 

Der kreative Tanz beachtet die menschliche Bewegungsentwicklung und nimmt die vorhandene Körpersprache als Ausgangspunkt.

 

Hier wird die Bewegungsfreude, die Kreativität und Phantasie der Kinder und ihr persönlicher Ausdruck aufgegriffen, gefördert und weiterentwickelt.

 

Das ganzheitliche Bewegungskonzept beinhaltet unterschiedliche Schwerpunkte:

  • Wahrnehmung (Raum, Zeit, Kraft, Dynamik)
  • Körperbildung (Haltung, Flexibilität, Koordination...)
  • Einfache tänzerische Strukturen und Kombinationen (kleine Choreografien)
  • Musik- und Rhythmusverständnis
  • Ruhe und Entspannung

Um für das Experimentieren mit eigenen Ideen gut ausgerüstet zu sein, brauchen die Kinder grundlegende Übungen und kindgemäße Tanztechniken, die ihr Bewegungsvokabular erweitern.

 

Damit das Kind ein gutes, gesundes Körperschema entwickeln kann, gehört zur Tanztechnik das Entdecken, Benennen und Erfahren aller Körperteile und deren Beweglichkeit. In der Verbindung von Tun (Bewegung) und Benennen (Worte, Fachwörter) findet ein aktives Bewegungs-Lernen statt.

 

Dabei werden besonders die Teile benannt und gespürt, die nicht sichtbar sind: Sitzknochen (wichtig für die Aufrichtung der Wirbelsäule), Becken (Körpermitte, Schwerpunkt), Rücken (Wirbelsäule), Schultern, Hals und Kopf.

 

 

 

Die Kinder lernen in diesen Einheiten neue Bewegungsmöglichkeiten kennen und einen gesunden Umgang mit ihrem Körper.

 

Umfangreichere thematische Schwerpunkte sind:

  • Die Füße (flex und point, Fußgewölbe, Gangarten, Schrittmuster)
  • Die Wirbelsäule (vom Hals bis zum Steißbein, abrollen und aufrollen, Seitneigung, Spiralbewegungen)
  • Die Gelenke (alle Gelenke und ihre Bewegungsmöglichkeiten finden, Anschauung am Modell/Skelett)


Alle Elemente im Modern Unterricht kann man nach der
Bewegungslehre von Rudolf von Laban einteilen. Sie werden in allen Bereichen der Tanzstunde angewendet – in den Technikübungen, in der Improvisation und in der Choreografie.

 

  • Actions: Ruhe, Grundbewegungsarten (gehen, laufen, hüpfen), differenzierte Fortbewegungsarten, Balance, Gestik und Mimik
  • Körper: ganzer Körper, Körperteile, Körperflächen, Körperseiten, Körperteile führen die Bewegung, Isolation, Berührung
  • Raum: Kinesphäre (eigener Raum), äußerer Raum, Richtungen, Orientierung, 3 Raumebenen, Wege durch den Raum
  • Dynamik: Kraft: stark-leicht, Zeit: langsam-schnell, Raum: direkt-flexibel,
  • Bewegungsfluss: gebunden-frei, verschiedene Qualitäten: z.B. fließend, schwingend, Impuls
  • Beziehungen: zwischen den Körperteilen, zu anderen, zum Raum, Beziehungen werden sichtbar z.B. durch Nähe-Distanz, Blickkontakt

 


Die
Improvisation bietet einen sehr guten Rahmen, in dem man sich an die Anwendung und Umsetzung der eigenen Vorstellungskraft heranwagen kann. Hier erleben sich die Kinder alleine oder gemeinsam in ihrer Kreativität und Phantasie – dies gilt für alle Altersstufen gleichermaßen. Die Schüler finden eigenständig Bewegungsmaterial, erforschen es und entwickeln es weiter. So entstehen aus der Improvisation auch Tanzsequenzen für Choreografien.

 

Im Rahmen der Improvisation finden auch Verknüpfungen zu der Themenwelt der Kinder und Jugendlichen statt. In jeder Altersstufe gibt es spezifische Themenwünsche der Kinder und Entwicklungsschritte, die im Bewegungsausdruck umgesetzt werden können.

 

Das Improvisieren stellt an die Schüler vielschichtige Herausforderungen: kritisches Denken, Problemlösungen finden und komplexe Lernaufgaben lösen sind hier gefragt.

 

 

 

Die Anregungen hierzu geben vielfältig gestellte Aufgaben und die Vernetzung mit anderen Künsten oder Objekten: Bilder, Geschichten/Gedichte, Objekte, Skulpturen, Musik…

 

 

 

Emotionale Intelligenz im Tanz

 

Tanz ist in jeder Hinsicht eine emotionale Erfahrung, denn Bewegung setzt Emotionen frei.

 

Das Kind tanzt allein, mit Partnern und mit der ganzen Gruppe; die gestellten Aufgaben machen Spaß, schaffen Vertrautheit und Nähe und fördern damit nicht nur die künstlerische, sondern auch die soziale und emotionale Kompetenz.

 

Dieses tanzpädagogische Modell vermittelt kinästhetischen Fähigkeiten (Tanztechnik, Ästhetik), anatomische Kenntnisse sowie kreative Fertigkeiten (Improvisation).

 

Diese Ziele werden bereichert durch den emotionalen Aspekt: Die Kinder können in der Improvisation lernen, ihre Gefühle auszudrücken und zu regulieren; sie zeigen ein besseres Verständnis für die eigenen Emotionen sowie die der anderen und dies trägt zu einer gesunden Gruppenatmosphäre bei. Die Kinder erhalten die Möglichkeit eines emotionalen Erfahrungsraumes, in dem sie sich ausdrücken können, Schwierigkeiten und Barrieren überwinden lernen ohne Überforderung oder Konkurrenzdruck sowie den Umgang mit Lob und Kritik erfahren.

 

Die Unterrichtsatmosphäre kann somit zu mehr Selbstsicherheit und Entspannung beitragen. Die Kinder erleben die Tanzstunde mit Freude und können mehr in sich ruhen.

 

 

 

Um den Kindern ein anregendes Lernumfeld zu schaffen, basiert der Unterricht auf verschiedenen Konzepten, die alle Tanzstunden als roter Faden durchziehen:

 

  • Musiken werden abwechslungsreich ausgewählt (verschiedene Taktarten, Stilrichtungen, Kulturen, Epochen)
  • Themen aus der Erfahrungswelt der Kinder werden tänzerisch verknüpft
  • Multisensorischer Ansatz: sehen, hören, sprechen, tun
  • Einsatz von Material (z.B. Tücher, Reifen, Stäbe, Igelbälle)
  • Variierende Gruppenkonstellationen (alleine, Partner, Kleingruppe, Großgruppe)
  • Durch klare Strukturen, Rituale und Wiederholung entsteht kein Stress für die Kinder, einer Reizüberflutung wird entgegengewirkt
  • Technische Übungen zum Training von Fertigkeiten wechseln ab mit Improvisationssequenzen
  • Rückmeldungen werden positiv, spezifisch, multimodal, zeitnah gegeben